Matteo Vandeputte
2026-07-23

Beim Filmen auf den Straßen Belgiens hat Matteo sich über die Jahre still und konsequent ein beeindruckendes Portfolio aufgebaut – geprägt von Geduld und unermüdlicher Wiederholung. In einem Land, in dem das Wetter ständig umschlägt und der Winter Regen statt Sessions bringt, musste Matteo den Elementen trotzen, um seinen eigenen Stil schon in jungen Jahren zu entwickeln. Obwohl er noch zur Schule geht, wirkt sein Skaten erstaunlich reif – geprägt vom DIY-Park in Mechelen: technisch, aber gleichzeitig locker und spontan. Als Teil einer neuen Generation, die die belgische Skateszene mitgestaltet, steht Matteo für einen Style, der weniger laut ist und dafür umso mehr Präsenz ausstrahlt. Wir haben mit dem aufstrebenden Skater über die Schule, die Bedeutung von gutem Essen und die DIY-Kultur gesprochen, die ihn geprägt hat.
Erzähl uns ein bisschen über dich.
Ich heiße Matteo Vandeputte, bin 19 Jahre alt und komme aus Lander in Belgien. Meistens skate ich aber im DIY-Park in Mechelen. Ich bin dort schon seit Jahren unterwegs – die Community dort ist einfach großartig. Ich gehe noch zur Schule, deshalb sind meine Tage ziemlich ausgefüllt. Ich mache eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik. Ich habe zwei Jahre vermasselt und hole deshalb gerade ein paar Kurse nach, bin aber im Juni fertig. An den Wochenenden skate und filme ich. Danach möchte ich weiterstudieren – ich weiß noch nicht genau was, vielleicht etwas im Bereich erneuerbare Energien. Ich möchte auf jeden Fall etwas machen, das mit Elektronik zu tun hat und bei dem ich mit meinen Händen arbeiten kann. Ich finde, das ist heutzutage wichtiger denn je.
Erzähl uns von deinem Weg zum Skateboarding.
Angefangen habe ich mit sieben oder acht Jahren. Mein Vater wollte Skaten lernen, und als er damit angefangen hat, wollte ich natürlich genauso sein wie er. Also haben wir gemeinsam gelernt, wie man droppt – das hat richtig Spaß gemacht. Irgendwann hat er aufgehört, weil es ihm zu gruselig wurde, und ich bin einfach drangeblieben. Lustigerweise habe ich mich erst gestern mit einem Freund über früher unterhalten. Er hat mir ein Video gezeigt, auf dem ich mit etwa sieben Jahren skate. Das Skateboard sah aus wie ein Longboard, weil ich damals so klein war. Ich war total begeistert.
Danach habe ich einfach weiter mit den Homies im DIY-Park in Mechelen geskatet. Irgendwann wurde ich dann vom lokalen Skateshop gesponsert – den gibt es leider nicht mehr. Der Besitzer kannte einen Filmer, der für Vans in Belgien arbeitet, und so haben wir angefangen, zusammen zu filmen. Ich weiß noch, dass ich bei unserer ersten Session direkt drei Clips gelandet habe. Von da an waren wir jedes Wochenende unterwegs. Daraus entstand schließlich ein Video und ich habe einfach weitergemacht. So fing meine Geschichte mit Vans an. Über den Skateshop bekam ich Schuhe und Samples, und alles entwickelte sich Schritt für Schritt. Heute bin ich Teil des europäischen Teams – und ich freue mich riesig darüber. Ich war schon auf einigen Trips mit Chris (Pfanner) und den anderen Jungs. Das Team macht einfach richtig Spaß.
Wie ist die Stimmung im Vans Team?
Es fühlt sich wie eine Familie an. Jeder kümmert sich umeinander. Wir haben ein großartiges Team mit unglaublich guten Skatern und vor allem richtig tollen Menschen. Keiner hat ein Ego – es geht einfach ums Skaten und darum, gemeinsam Spaß zu haben. Genau das liebe ich daran.
Erzähl uns von deinem neuesten Part „Chillin Like A Villain“.
Der ist eigentlich durch den Typen vom Skateshop und Harry, den Vans-Filmer, entstanden. Wir haben einfach losgelegt und sind jeden Tag skaten gegangen – in Mechelen, Brüssel und an vielen anderen Spots in Belgien. Einen Part zu filmen war nie wirklich der Plan. Wir hatten einfach Spaß, waren ständig unterwegs und haben jede Menge Clips gesammelt. Irgendwann haben wir uns das ganze Material angeschaut und gedacht: Daraus könnte eigentlich ein Part werden. Insgesamt hat das etwa anderthalb Jahre gedauert. Im Winter ist das Filmen in Belgien allerdings schwierig – es regnet einfach die ganze Zeit.
Wo skatest du außerhalb von Belgien am liebsten?
Ich fahre total gerne nach Athen. Dort ist es einfach unglaublich. Die Marmorspots sind perfekt, dazu diese roten Teppich-Beläge vor und nach den Treppen – ein absoluter Traum. Und das Essen ist auch richtig gut. Ich bin großer Fan von Souvlaki. Es ist einfach der perfekte Ort für eine Kombination aus Skaten und gutem Essen. Gutes Essen, nette Leute – genau mein Ding.
Ist gutes Essen etwas, das dir wichtig ist?
Klar, ich esse einfach gerne!
Kannst du dir vorstellen, irgendwann außerhalb von Belgien zu leben?
Das ist eine schwierige Frage, ehrlich gesagt. Ich habe schon oft darüber nachgedacht. Ich könnte mir vorstellen wegzuziehen, würde aber trotzdem immer wieder nach Belgien zurückkommen wollen – vor allem, um den Winter hier für ein paar Monate zu umgehen. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo ich dauerhaft leben wollen würde. Ich würde einfach gerne reisen und an verschiedenen Orten leben. Athen zum Beispiel – oder überall dort, wo die Sonne scheint, die Leute entspannt sind und es gute Skatespots gibt. Ich schwimme außerdem total gerne im Meer, deshalb wäre das auf jeden Fall ein Muss.



Und abseits vom Skaten – was begeistert dich sonst?
Ganz ehrlich: Ich würde am liebsten jeden Tag skaten. Im Moment nimmt die Schule allerdings ziemlich viel Zeit in Anspruch, deshalb bleibt kaum Raum für andere Dinge. Lernen, skaten, wiederholen.
Was oder wer inspiriert dich beim Skaten?
Ich könnte jetzt eine ganze Reihe von Pros nennen, zu denen ich aufblicke. Aber am meisten inspiriert haben mich schon immer die Leute, die ich direkt vor mir skaten gesehen habe – meine Homies und die Skater aus meinem Local Park. Simon Bannerot war oft dort. Ich erinnere mich noch genau, als ich ihn zum ersten Mal skaten sah – das hat mich komplett umgehauen. Genauso war es später mit Grant Taylor, der auch einmal dort war.
Gibt es bestimmte Crews oder Videoparts, aus denen du Inspiration ziehst?
Ich feiere die Bru-Ray-Videos total. Jedes Mal bekomme ich sofort Bock, mit den Homies skaten zu gehen. Eigentlich schaue ich mir fast jedes neue Skatevideo an, das erscheint, und versuche, immer etwas davon mitzunehmen. Am meisten inspirieren mich aber meine Freunde und die ältere Generation im Skatepark.
Wie würdest du die Community im DIY-Park in Mechelen beschreiben?
Die Community ist extrem eng verbunden. Es ist ein großer Haufen, bei dem ständig Sessions stattfinden und immer viele Leute vorbeikommen. Wir grillen dort oft zusammen – das gehört einfach dazu. Vor Kurzem haben wir den Grillbereich komplett neu aufgebaut, inzwischen ist das fast schon eine richtige Outdoor-Küche. Schritt für Schritt machen wir den Spot immer besser. Wir achten aufeinander und holen das Beste aus dem Ort heraus, den wir haben. Über die Jahre hat sich dort viel verändert. Früher war es einfach nur ein DIY-Spot in einer Ecke, in die kaum jemand gekommen ist. Mittlerweile hat die Stadt das gesamte Umfeld neu entwickelt – mit einer Zirkusschule, einer Kletterhalle und einem Sportzentrum. Dadurch kommen jetzt viel mehr Leute vorbei.
Was sind deine Träume und Ziele fürs Leben?
Ich möchte einfach weiter skaten und sehen, wohin mich das bringt. Ich muss noch herausfinden, was ich langfristig machen möchte, aber ich bin noch jung – ich habe genug Zeit, meinen Weg zu finden.
Welcher Vans Schuh ist aktuell dein Favorit zum Skaten?
Im Moment sind es ganz klar die Half Cabs. Die skate ich jetzt schon eine ganze Weile.
Zum Schluss: Hast du noch ein paar Worte? Eine Nachricht ans Internet oder an dein jüngeres Ich?
Schau immer nach vorne – und lebe nicht in der Vergangenheit.